Keine WG bitte! - Warum Kaninchen und Meerschweinchen getrennte Wege gehen sollten
- Tierfreunde Bodenseekreis e.V.

- 29. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Kaninchen und Meerschweinchen scheinen auf den ersten Blick einige Gemeinsamkeiten zu haben und mancher fragt sich, ob eine gemeinsame Haltung der beiden Tiere sich nicht anbietet, zumal auch bei manchen Züchtern und Tierhandlungen dazu geraten wird.
Doch es gibt einige wesentliche Unterschiede, die zeigen, dass die beiden doch von Grund auf verschieden sind und somit auch sehr unterschiedliche Bedürfnisse an eine Haltung und ihr(e) Partnertier(e) haben:
Kommunikation: Kaninchen kommunizieren über Körperhaltung, Ohren, Blicke, Klopfen etc. - also meist ziemlich leise. Meerschweinchen hingegen haben eine ausgeprägte Lautsprache, die aus Quicken, Brummen und Pfeiftönen besteht.
Sozialstruktur: Kaninchen leben in festen Gruppen mit klarer Rangordnung und engem Körperkontakt. Sie kuscheln gerne mit ihren Artgenossen und putzen sich auch gegenseitig. Meerschweinchen hingegen leben in lockeren Gruppen mit viel Rückzug. Sie suchen den Körperkontakt nur in Angstsituationen.
Umgebung: Anders als Kaninchen meiden Meerschweinchen freie Flächen komplett. In der Natur bewegen sie sich geschützt in hohen Gräsern und zwischen Sträuchern. Beide sind Fluchttiere, Meerschweinchen sind dabei jedoch noch scheuer als Kaninchen. Kaninchen lieben erhöhte Plätze, während Meerschweinchen sich gerne verstecken und dafür viel Deckung und Überdachtes brauchen, um sich wohlzufühlen.
Größe, Kraft und Bewegung: Kaninchen sind größer, schneller und kräftiger als Meerschweinchen. Sie schlagen Hacken und springen, ihre normale Fortbewegung ist hoppeln. Meerschweinchen bewegen sich trippelnd und stets bodennah.
Temperatur: Meerschweinchen sind durch ihre Herkunft aus Südamerika unsere kalten Winter nicht gewohnt und haben ein leichteres Fell. Außerdem sind sie sozusagen barfuß unterwegs, an ihren Pfoten haben sie nämlich kein Fell. Kaninchen sind heimisch und daher besser auf kalte Temperaturen vorbereitet. Beide müssen vor großer Hitze geschützt werden.
Stubenreinheit: Kaninchen können stubenrein trainiert werden und wählen auch von sich aus Toilettenplätze. Meerschweinchen hingegen machen das nicht, weshalb auch das gesamte Gehege mit Einstreu ausgefüllt werden sollte.
Aber wissen sie die Nähe des anderen trotz der Unterschiede nicht vielleicht doch zu schätzen? Experimente haben gezeigt, dass das nicht der Fall ist. Hat ein Meerschweinchen die Wahl zwischen einem Platz alleine oder mit einem anderen Meerschweinchen, entscheidet es sich für das Zusammenleben mit seinem Artgenossen. Hat ein Meerschweinchen hingegen die Wahl zwischen einem Platz mit Kaninchen und einem allein, wählt es trotz seiner Geselligkeit den Platz alleine. Meerschweinchen fühlen sich bei Kaninchen also unwohl, wenn nicht sogar bedroht. Andersherum können Kaninchen sich durch die laute Ausdrucksweise der Meerschweinchen gestört und gestresst fühlen.
Bei gemeinsamer Haltung mehrerer Kaninchen und mehrerer Meerschweinchen wurde festgestellt, dass bei viel Platz beide jeweils Gruppen mit ihren Artgenossen bilden und der anderen Tierart komplett aus dem Weg gehen.
Zum einen ersetzt also ein Kaninchen einem Meerschweinchen niemals den Artgenossen und andersherum, da sie mit der anderen Tierart nicht kommunizieren können und ihr Bedürfnis nach sozialem Kontakt nicht ausleben können. Zum anderen wirkt das Zusammenleben bestenfalls oberflächlich harmonisch und friedlich - der stille Stress, den insbesondere Meerschweinchen in Gesellschaft mit einem Kaninchen erleben, wird leider oft nicht erkannt. Es kann aber durchaus auch passieren, dass die Kaninchen die Meerschweinchen jagen oder ihnen gar Bisse zufügen. Dies passiert insbesondere dann, wenn der Platz nicht ausreicht, damit sie sich komplett aus dem Weg gehen können. Unkastrierte Kaninchenrammler bedrängen und bespringen zudem häufig auch Meerschweinchen.
Außerdem gibt es einige Krankheiten, die von Kaninchen auf Meerschweinchen übertragen werden können und gegen die Meerschweinchen weniger robust sind. So treten beispielsweise Bakterien wie Pastorellen und Bordatella, die die Pasteurellose (Kaninchenschnupfen) auslösen, bei Meerschweinchen auf, die Kontakt zu Kaninchen haben. Die Erkrankung daran verläuft für Meerschweinchen deutlich häufiger tödlich, als das bei Kaninchen der Fall ist.
Zudem konnte auch Encephalitozoonose Cuniculi (EC) - eigentlich eine Kaninchenkrankheit - bei Meerschweinchen nachgewiesen werden. Nur Meerschweinchen, die überhaupt Kontakt zu Kaninchen hatten, sind von EC betroffen. Sie können bei Ausbruch ähnliche Symptome wie Kaninchen mit EC zeigen, so kommt es beispielsweise zu Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsproblemen, Lähmungserscheinungen, Krampfanfällen, Abmagerung und Augenentzündungen.
Für die Tiere hat eine gemeinsame Haltung daher keinerlei Vorteile und es kann davon nur abgeraten werden. Kaninchen und Meerschweinchen gemeinsam zu halten stellt eine Zwangsgemeinschaft dar, die die Tiere niemals freiwillig wählen würden! Sie leben dann zwar nebeneinander, aber sozial völlig aneinander vorbei.
Und ganz wichtig: Meerschweinchen und Kaninchen können nur glücklich werden, wenn sie jeweils mindestens einen Artgenossen haben.
So wie unser süßes Pärchen Ramiro & Sunny:





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